Schnuller für Stillkinder

 

Ein Schnuller gehört seit einigen Jahrzehnten wie die Windel und der Kinderwagen zu einem Baby dazu. Aber braucht ein Baby wirklich Mutterersatzprodukte? Will ich für mein Kind so etwas? Schaden sie ihm vielleicht eher? Will ich überhaupt ersetzbar sein und mein Kind mit Plastik, statt mit mir groß werden lassen? Würde ich Plastik-Silikon-Ersatz für Nähe, Wärme, einen geliebten und liebenden Menschen akzeptieren?

Ein Schnuller wirkt nicht nur normal, sondern auch verlockend: Er beruhigt das Baby ohne „Körpereinsatz“ - es schläft oder liegt allein, ich bin freier.

Ein Kind selbst und ohne „Hilfsmittel“ zu bemuttern ist dagegen intensiver und anfangs oft gewöhnungsbedürftig. Allerdings ist es letztlich sehr viel einfacher und irgendwann völlig normal und selbstverständlich.

Wenn Ihnen Unwohl ist oder Ihnen die Angst im Nacken sitzt, wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihrem Baby gerecht werden sollen oder können: Vertrauen Sie darauf, dass ein menschliches Baby nicht mehr braucht als eine menschliche Mutter.


Einen Schnuller verantwortungsvoll verwenden:

  1. Einen Schnuller erst dann geben, wenn das Stillen gut eingespielt ist und das Baby sicher in der Saugtechnik ist (dauert meist 4-6 Wochen).

  2. Den Schnuller nur in Ausnahmesituationen und bei tatsächlichem Bedarf geben (Autofahrt, Stillen oder Körperkontakt nicht möglich, sehr großes Saugbedürfnis, das Baby ärgert sich beim Nuckeln an der Brust über die Milch).

  3. Nicht länger geben als unbedingt nötig.

  4. Bedürfnisse des Kindes kennen lernen und befriedigen, statt das Kind zuzustöpseln.

  5. So früh wie möglich ganz weglassen (nach sechs bis 12 Monaten).

  6. Das Kind nicht mit dem Schnuller loskrabbeln oder herumlaufen lassen - binden Sie ihn an sich (wie die Brust) oder bestimmte Situationen (z.B. Einschlafen).


Häufige bis mögliche Auswirkungen des Schnullers bei regelmäßigem Gebrauch:

  1. Häufiger wunde Brustwarzen, Brustentzündungen, Stillprobleme durch falsche bzw. andere Saugtechnik des Kindes

  2. Kürzere Stilldauer, frühes Abstillen

  3. Störung der Regelung von Hunger und Sättigung durch das Saugbedürfnis

  4. Überdeckung bzw. Unterdrückung von Bedürfnissen

  5. Erhöhtes Infektionsrisiko beim Kind bes. Ohren, Magen-Darm

  6. Fehlstellungen des Kiefers und der Zähne

  7. Behinderung der Erkundung der Hände und von Gegenständen mit dem Mund

  8. Behinderung der Sprachentwicklung



Anbei: Ein großes Saugbedürfnis, dass ein Baby nicht an der Brust oder Flasche befriedigen kann, lässt sich auch (vorübergehend) an Mamas oder Papas kleinem Finger ausleben. Hier läuft man auf keinen Fall Gefahr, dass dieses Saugen zur ständigen Gewohnheit wird.

Und: Sie dürfen den Schnuller gern ablecken! Ja, es werden auch Kariesbakterien und andere unfreundliche Gesellen übertragen, aber auch viele wichtige, Allergien verhindernde Bakterien! Das ist besonders wichtig für Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sind und/oder nicht gestillt werden. (E&M aktuell 4-2013)



© Sonia Sampaolo     www.inGeborgenheit.de