Stillen & Ernährung

 
Stillen


Eine Geburt gilt in unserer Kultur als schwierig und schmerzhaft - das Stillen ebenso. Fakt aber ist, dass die überwiegende Mehrheit von Müttern und Kindern ohne größere Schwierigkeiten stillen kann. Beziehungsweise könnte - wenn da nicht all die gut gemeinten, aber widersinnigen Ratschläge wären, die Unsicherheit und die Angst vor wunden Brustwarzen, Milchstau, Milchmangel und Co, und wenn da die eigene Erfahrung des Stillens wäre sowie die allgemeine Präsenz stillender Mutter-Kind-Paare.


Ein Baby weiß, was es tun muss, genauso der Körper der Mutter. Vertrauen Sie darauf. Wie bei der Geburt ist für das Stillen eine positive Erwartung sehr wichtig.


Eingriffe in den natürlichen Prozess sind unnötig bis hinderlich, und Babys, die selbständig (vor allem direkt nach der Geburt und in den ersten Tagen) die Brust suchen und/oder erfassen dürfen, haben nur selten Schwierigkeiten dabei.

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Natürlicherweise stillt ein Kind ab der ersten Stunde seines Lebens und bis in das dritte bis sechste Lebensjahr. Stillen ist dabei mehr als Ernährung. Es ist auch erste Impfung, Dauermedikation, Förderer einer guten Entwicklung und Gesundheit, sowie Stresspuffer, Trost, Nähe und Sicherheit.


Mit einem guten Stillstart nach der Geburt, dem richtigen Anlegen und Stillen nach Bedarf ist das Stillen in der Regel eine angenehme, rasche und einfach Art, sein Kind zu versorgen. In den meisten anderen Fällen eine erlernbare.


Die Reflexe, die ein Kind für das Stillen braucht, sind besonders aktiv, wenn das Kind (unbekleidet) auf der (unbekleideten) Brust oder dem Bauch der bequem hinten angelehnt sitzenden Mutter liegt. So kann das Baby alle Reflexe ausleben und nutzen, um die Brust zu finden und korrekt zu erfassen. Diese Art des Stillens nennt sich auch ↪ reflexgesteuertes oder babygesteuertes Stillen bzw. Anlegen (unterstützen darf und sollte man sein Baby natürlich, wenn es den Weg zur Brust nicht allein findet oder etwas Halt braucht). Es bietet sich vor allem in den ersten Tagen und Wochen des Stillens an - neben allen anderen Positionen und Haltungen, in denen ein Kind an der Brust trinken kann. Wenn ein Baby sicher und rasch die Brust erfassen kann, ist Stillen einfach und in fast jeder (Lebens)Lage möglich. Auf diese Art ist Stillen nichts, was man mit dem Baby macht oder ihm beibringen müsste, keine Aktivität der Mutter, sondern wie überall bei Säugetieren ein Akt des Lernens und Überlebens des Kindes. Das Kind ist der aktive Part - die Mutter der passive, gewährende.


Stillen nach Bedarf heißt, so oft ein Baby an die Brust möchte (das wird alle 1-4 Stunden der Fall sein) und so lange es möchte. Einen festen Rhythmus wird und muss Ihr Baby nicht haben, und das ist ok so. Und das immer noch weit verbreitete Schema Brust1-Wickeln-Brust2-Schlafen-Brust2-Wickeln-Brust1 usw. kann man sich getrost für Zeiten von Milchknappheit aufsparen. Vorsichtshalber nach diesem Schema zu stillen, kann zu einem enormen und unangenehmen Milcheinschuss führen, der es dem Baby erschwert, die Brust erfassen zu können, was wiederum zu wunden Brustwarzen führen kann etc. Zudem bekommt das Baby seine Milch nicht in der Mischung, die es braucht - zuerst fließt durstlöschende, süße Vordermilch, danach sättigende Hintermilch.


Stillen nach Bedarf gewährleistet, dass die Milch in Menge und Zusammensetzung immer an die sich laufend verändernden Bedürfnisse des Kindes angepasst ist.


Denke daran, wie es wohl ohne irgendeine Stillregel wäre, mit deinem Baby als einzige Vorgabe. Die Natur hat es schon gut geregelt. Sollte es zu Schwierigkeiten, Problemen oder Unsicherheiten kommen, suche dir möglichst rasch Hilfe.



Damit die Milch gut fließen kann, braucht es Oxytocin. Dieses Hormon, das auch für Geburt, Bindung, Wohlgefühl uvm. wichtig ist, bewirkt, dass die Milch aus den Milchdrüsen in die Milchgänge gelangt. Ohne diesen Milchfluss-Reflex bekommt das Baby nur sehr wenig Milch. Hemmend auf die Ausschüttung von Oxytocin wirkt Stress. Daher sind Entspannungsübungen (aus der Schwangerschaft/Geburtsvorbereitung) auch hier sehr hilfreich, aber z.B. auch streichelnde, leichte Massagen.



Und da das Stillen am Morgen nicht ungewöhnlicher ist, als am Abend zuvor, wachsen Mütter meist ganz unspektakulär in eine Stillbeziehung mit einem laufenden und sprechenden Kind, wenn Sie nicht vorher aktiv abstillen. Das Stillen eines Kindes jenseits des ersten Geburtstages mag zunächst sehr befremdlich sein für jemanden, der selbst nicht (lange) gestillt wurde und Stillen auch bei anderen nicht als selbstverständlich miterlebt hat. Stillen ist auch über Jahre schlicht normal und überaus gesund.


Aktives Abstillen erfolgt unter natürlichen Umständen dann, wenn die Mutter erneut schwanger ist. Andernfalls stillen sich Kinder in der Regel im Alter von 3-4 Jahren allein ab. Sie verlieren einfach das Stillbedürfnis und -interesse.

Aktives Abstillen ist jederzeit, aber selten sanft möglich. Das Abstillen ist für ein Kind oft dramatisch. Aber eine Mutter, die sich des Abstillens sicher ist und liebevoll den Frust, die Wut und das Unverständnis des Kindes auffängt, kann den Prozess mildern und dem Kind ermöglichen, seine Stabilität rasch wieder herzustellen. Bis ein Kind das Ende des Stillens akzeptieren kann, dauert es oft eine bis einige Wochen.

Ein komplettes Abstillen ist u.U. kindgerechter, als ein Stillen nach Plan der Mutter. Bevor es mehrmals täglich zu Kämpfen um die Brust kommt und die Mutter sich nicht für das Stillen entscheiden kann, ist ein Ende für beide Parteien mitunter entspannter.


Kompakte Tipps und Infos



Zum Thema Schnuller: Nach Bedarf gestillte Kinder brauchen keinen. Sie können ihr Saugbedürfnis in der Regel an der Brust befriedigen. In Situationen, in denen nicht gestillt werden kann (Autofahrt) oder wenn das Saugbedürfnis größer ist als Hunger und Durst, kann man natürlich andere Saugmöglichkeiten anbieten. Vermeiden sollte man sie aber, solange das Stillen noch nicht 100%ig eingespielt ist (das dauert meist 4-6 Wochen) und ebenso als Ersatz für Stillen, Nähe, Fürsorge. Der Schnuller soll kein Notstöpsel sein, unter dem die Bedürfnisse des Kindes verschwinden.

Mehr als Mama braucht ein Baby nicht. Sie bietet ihm alles, was es braucht. Technische Hilfsmittel stehen eher zwischen Mutter und Kind (Ausnahme: Tragehilfen), als die Mutter-Kind-Einheit zu fördern und die Bedürfnissen des Kindes zu befriedigen.



Nicht stillen


Wenn du dein Kind nicht stillen kannst: Bedaure oder betrauer dies angemessen - und hake das Thema ab. Wie groß der Verlust für dich und dein Kind ist, bleibt zum großen Teil Theorie. Auch gestillte Kinder bekommen Allergien, auch stillende Mütter können ihrem Kind nicht immer alles bieten. Ergreife die Gelegenheit, dich mit widrigen Umständen und geplatzten Träumen oder Plänen zu arrangieren - das muss man mit Kindern des öfteren. Und nutze einfach die anderen Möglichkeiten, die du hast, um dein Kind gesund, zufrieden und in Geborgenheit aufwachsen zu lassen.


Wenn du nicht stillen willst, dann ist das so und deine Sache. Es ist egoistisch, ja. Aber nicht ohne Grund. Mach dich frei von Ansprüchen anderer, steh zu dir und deiner Entscheidung. Wenn du damit leben kannst, werden sich alle anderen schon damit abfinden. Global betrachtet, ist es relativ Banane, ob und wie lange ein Kind gestillt wird.


Wenn du schwanger bist und hin und her gerissen, wenn du ein schlechtes Gewissen hast, dein Baby nach seiner Geburt nicht zu stillen, wenn du die Vorteile des Stillens schätzt, dich aber bei Leibe nicht vorstellen kannst, dein Baby an der Brust zu haben, dann kann es sich lohnen, nach den Ursachen zu forschen, negative Gefühle, Ängste und Sorgen zu beseitigen und/oder sich positiv auf das Stillen einstimmen zu lassen - zum Beispiel mit Hypnose. Oft bringt es erleichternde Klarheit in die ein oder eben andere Richtung. 


Kompakt: Ernährung mit der Flasche



Ernährung


Kinder sind zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten „beikostbereit“. Manche wollen mit vier Monaten unbedingt etwas essen, die meisten irgendwann im Verlaufe des zweiten Lebenshalbjahres, einige erst nach dem ersten Geburtstag. Manche starten gleich voll durch und essen rasch zu allen Mahlzeiten etwas, andere probieren hier und da mal ein Löffelchen, eine richtige Portion essen sie erst im zweiten Lebensjahr. Das eine Kind lässt sich gern und lange füttern, das andere will von Anfang an allein essen.


Was ein Kind essen kann und darf, wenn es Interesse zeigt, ist ganz einfach: Wenn du dich ausgewogen und vielseitig ernährst, lass dein Kind einfach am Familienessen teilhaben, wenn es so weit ist. Wie von einem Buffet wird es sich nehmen, was es mag, was es braucht und so viel es braucht bzw. sich von Ihnen versorgen lassen. Solange es weiterhin nach Bedarf stillt, ist es auch ohne ausgeklügelte Ernährungspläne bestens versorgt.

Der Aspekt der Ernährung verliert beim Stillen meist erst in oder nach dem zweiten Lebensjahr an Bedeutung. Ein halber Liter Muttermilch, das ist die ungefähre Trinkmenge eines nach Bedarf gestillten Kindes um den zweiten Geburtstag herum, deckt den Energiebedarf zu 20% und den Bedarf an einigen Vitaminen noch bis zu 95% (bei den Vitaminen A und C). Seinen Eisenbedarf deckt das Kind bei o.g. Menge zur Hälfte aus Muttermilch¹


Es gibt übrigens nur wenige einigermaßen begründbare „Verbote“ bei der Auswahl der Lebensmittel: Im ersten Lebensjahr sollte ein Kind keinen rohen Honig bekommen. In ihm können Botulismus-Erreger enthalten sein. Ein Infekt kann für Menschen mit unreifem oder geschwächtem Immunsystem gefährlich sein. Das Gleiche gilt natürlich für rohes Fleisch und rohen Fisch und andere Lebensmittel mit erhöhtem mikrobiellem Risiko.


Wegen möglicher Allergien auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, ist überholt. Wenn ein Kind essen möchte, dann darf es bis auf wenige Einschränkungen tun. Früher Kontakt zu potenziellen Allergenen, v.a. während noch gestillt wird, scheint sogar einen schützenden Einfluss zu haben.

Ebenso wenig muss eine Stillende auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten. Nur eine ausgewogene Mischkost versorgt sie mit allen nötigen Nährstoffen. Es kann vorkommen, dass ein Baby auf bestimmte Nahrungsbestandteile der Mutter reagiert (mit Verdauungsstörungen oder Hautausschlag), das ist aber sehr selten und rechtfertigt keine generellen Einschränkungen.


Wovon man Abstand nehmen sollte, sind „Zwangsfütterungen“. Kein Kind muss nach Plan oder Vorstellungen von Erwachsenen essen. Nie sollte das Essen zum K(r)ampf werden. Versuch gar nicht erst, dein Kind mit Ablenkungsmanövern zum Essen bzw. Gefüttertwerden zu bringen. Soll dein Kind ein gesundes Essverhalten, eine funktionierende Hunger-Sättigungs-Regulierung und einen gesunden Appetit behalten, lass die Verantwortung für die Nahrungsaufnahme bei ihm - ihr bestimmt lediglich, woraus dein Kind wählen kann und bietet mit eurem Vorbild Orientierung.


Kinder essen, was ihnen vorgegessen wird. Daran können sie lernen, was genießbar ist. Zudem haben sie schon während der Schwangerschaft und Stillzeit Informationen über das Nahrungsangebot erhalten - über den Geschmack des Fruchtwassers und der Muttermilch.

Kinder schmecken allerdings anders als Erwachsene, z.B. nehmen sie Bitterstoffe intensiver wahr. Daher werden einige Gemüsesorten oftmals abgelehnt. Aber schau selbst, was dein Kind mag und was nicht. Mit der Zeit wird es sein Nahrungsspektrum erweitern und mehr oder weniger anpassen.


Als Getränk neben der Muttermilch bieten sich Wasser und ungesüßte Tees an. Wenn ein Kind neben der Muttermilch lange nichts anderes trinken mag, braucht es meist einfach nichts. Es dann mit gesüßten Getränken oder Säften zum Trinken zu bringen, ist unnötig. Manche Kinder wiederum trinken mit Begeisterung schon im Alter von vier Monaten ein paar Tröpfchen Wasser aus einem Glas oder von einem Löffel.


Kompakte Tipps und Infos



Bei unseren Verwandten beginnen die Kinder mit ähnlich individuellen Unterschieden in Alter und Vorliebe zu essen. Einige übervorsichtige Mütter reagieren verunsichert auf die ersten Anstalten ihres Nachwuchses, sich etwas in den Mund zu stecken, anderen bieten ihrem Kind aktiv etwas an. Keine aber käme auf die Idee, ihr Kind zu füttern bzw. die Nahrungsaufnahme ihres Kindes zu überwachen oder

zu steuern. Wozu auch? Man muss einem Kind das Essen genauso wenig beibringen wie die Fortbewegung. Nur die Rahmenbedingungen müssen stimmen.



Hast du noch Fragen? Melde dich bei mir!
































Links&Literatur:


Carlos Ganzalez: Mein Kind will nicht essen.


Katherine Dettwyler: Diverse Artikel zum Stillen (Stilldauer, Stillhäufigkeit, nächtl. Stillen, Abstillen, Durchschlafen)

http://www.uebersstillen.org/dettwd.htm


Herbert Renz-Polster: Langzeitstillen - wo ist das Problem?

http://www.kinder-verstehen.de/images/langzeitstillen_lang.pdf




¹ „Was - du stillst noch? Das Stillen eines „älteren“ Säuglings“, Vortrag von Elizabeth Hormann (IBCLC)

 

Stillen lernt sich am besten durch Zuschauen und Nachmachen. Wenn du eine Frau kennst, die gerade einfach und selbstverständlich stillt oder eine Stillgruppe in der Nähe besuchen kannst, nutze die Gelegenheit.


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